Der nicht geschlechtsgebunden (autosom) und rezessiv (d.h. das gesunde Erbmerkmal überdeckt das kranke) vererbten Defekt der Homogentisinsäureoxidase, einem Enzym im Abbauweg der Eiweißbausteine (Aminosäuren) Phenylalanin und Tyrosin, führt zum Krankheitsbild der Alkaptonurie. Aufgrund des Defektes fallen im Körper größere Mengen an so genannter Homogentisinsäure an.

Anzeichen (Symptome) der Erkrankung (vor Behandlungsbeginn bzw. ohne Behandlung)

Die bei der Alkaptonurie vermehrt anfallende Homogentisinsäure bildet in alkalischen Flüssigkeiten und Gegenwart von Sauerstoff ein dunkelbraunen-schwarzen Farbstoff. Eine Dunkelfärbung des Urins ist dann zu beobachten, wenn der Urin alkalisch ist (z.B. nach kohlenhydratreicher Kost oder Alkalisierung des Urins durch Bakterienwachstum). Entscheidend bei der Krankheit sind jedoch die Ablagerungen des Farbstoffs im Knorpel und im Bindegewebe (Ochronose) (sichtbare dunkle Flecken in der Bindehaut des Auges, im Nasen- und Ohrknorpel). Im höheren Erwachsenenalter äußern sich diese Einlagerungen als schmerzhafte Gelenkzerstörungen (mit typischen, bei Röntgenuntersuchungen sichtbaren Veränderungen, besonders, wenn zusätzlich Kalk eingelagert ist) und/oder als Versteifung der Herzklappen mit nachfolgendem Herzversagen..

Wie wird die Krankheit festgestellt?

Die vermehrte Ausscheidung der Homogentisinsäure mit dem Urin läst sich leicht laborchemisch (gaschromatographisch) nachweisen. Zur Feststellung sind auch genetische Untersuchungen geeignet.

Behandlung

Prinzipiell stehen für die Behandlung der Alkaptonurie verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
Verhinderung bzw. Reduzierung der Bildung des Farbstoffs und/oder Unterbindung der Bildung von Homogentisinsäure.
Am häufigsten wird Vitamin C zu Reduzierung der Farbstoffbildung verwendet (1 – 2 g / Tag).
Zur Unterbrechung der Bildung von Homogentisinsäure steht das für die Behandlung der  Tyrosinose Type I bekannte 2-(2-Nitro-4-Trifluoromethylbenzoyl)-1,3-Cyclohexanedion (NTBC) als Medikament prinzipiell zur Verfügung. Dies unterbindet durch die Blockierung eines Enzyms im Abbauweg des Eiweißbausteins Tyrosin die Bildung von Homogentisinsäure. Durch die Gabe von NTBC ist mit Vermehrungen von Tyrosin im Blut zu rechnen. Bei einer Tyrosinerhöhung von über 900 µmol/l (16 mg/dl) wird zusätzlich eine tyrosin- und phenylalanin-reduzierte Diät und eventuell entsprechende Mischungen von Eiweißbausteinen (Aminosäurengemische ohne Phenylalanin und Tyrosin) zur Deckung der altersgemäßen Stickstoffzufuhr notwendig. Da jedoch bei der Behandlung der Alkaptonurie niedrigere Dosen an NTBC als bei der Tyrosinose Typ I empfohlen werden, ist in der Regel eine Eiweißrestriktion ohne zusätzliche Gab von Aminosäurenmischung ausreichend. NTBC ist aber derzeit in Europa als Medikament zur Behandlung der Alkaptonurie noch nicht zugelassen.
Da meist erst jenseits des 3ten Jahrzehnts bei den Patienten mit Alkaptonurie Beschwerden auftretenden, wird mit der sinnvollen Behandlung zu Vermeidung der Gelenk- und Gefäßveränderungen nur selten frühzeitig genug begonnen.

Aussichten für die Zukunft

Die Behandlung der angeborenen Stoffwechselstörung Alkaptonurie ist nur bei frühzeitig begonnener Therapie erfolgreich. Die bereits eingetretenen Schäden durch Ablagerungen der Homogentisinsäure in Knorpel und Bindegewebe sind nicht rückgängig zu machen. Für Gelenkstörungen (Arthritiden/Arthrosen) und bei Befall der Herzklappen sind chirurgische Eingriffe hilfreich. Jedoch ist die Aussicht bei einmal eingetretenen Wirbelsäulenveränderungen schlecht. Lediglich eine Verschlimmerung kann verhindert werden.

Die Bereitstellung des Textmaterials erfolgt durch freundliche Überlassung der SHS-Gesellschaft. Ergänzende Informationen finden Sie unter www.stoffwechselgutleben.de.

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