Bei dem so genannten HHH-Syndrom liegt eine Störung des Transports der Aminosäure Ornithin vom Zellwasser in die Mitochondrien vor. Mitochondrien sind Bestandteile aller Zellen (mit Ausnahme der roten Blutkörperchen) und enthalten besonders die Enzyme für die Energieproduktion, aber auch Teile des Harnstoffzyklus (in dem Ornithin umgebaut wird). Durch den mangelhaften Transport kommt es einerseits zur Erhöhung von Ornithin im Blut und Urin, andererseits wegen der Unterbrechung des Harnstoffzyklus zur Vermehrung von Ammoniak (Hyperammonämie). Überschüssiger Stickstoff, der z.B. als Ammoniak anfällt (eine chemische Substanz aus Stickstoff und Wasserstoff bestehend, die in höheren Konzentrationen giftig ist), wird normalerweise als Harnstoff mit dem Urin ausgeschieden. Die Bildung des Harnstoffs erfolgt vorwiegend in der Leber, in einem als Harnstoffzyklus genannten System, an dem mehrere Enzyme beteiligt sind und der zu einem Teil in den so genannten Mitochondrien und zum anderen Teil in der Zellflüssigkeit lokalisiert ist. Dieser Zyklus ist bei dem HHH-Syndrom gestört.
Als ungewöhnliches Nebenprodukt bei Störungen des Ornithintransports entsteht u.a. Homocitrullin (eine ungewöhnliche Aminosäure).

Anzeichen (Symptome) der Erkrankung (vor Behandlungsbeginn bzw. ohne Behandlung)

Die schwere, im Neugeborenenalter schon auffällige, Form der Krankheit geht einher mit Vermehrung von Ammoniak (Hyperammonämie), verminderter Reaktionsfähigkeit, Muskelschwäche, Krampfanfällen und Bewusstseinsverlust. Im Kindesalter herrschen Ernährungsprobleme, Erbrechen, milde bis schwere geistige Retardierung, ungewollte Bewegungen (Ataxie), Muskelverhärtung und Krampfanfälle, seltener auch Leberversagen mit Störungen in der Blutgerinnung vor.
Für Erwachsene sind gelegentlich Zustände mit Minderung der Reaktionsfähigkeit und Krampfanfälle als Folge von Ammoniakvermehrung (Hyperammonämien) z.B. nach eiweißreichen Mahlzeiten typisch. Ein Teil der Patienten entwickeln Abneigung gegen eiweißreiche Nahrungsmittel, z. B. gegen Milch und Fleisch.

Wie wird die Krankheit festgestellt?

Bei den schwer verlaufenen Formen des HHH-Syndroms treten Zustände mit extremer Vermehrung von Ammoniak (Hyperammonämie) auf. Außerdem finden sich einige typische Veränderungen bei den Aminosäuren im Blut, z. B. die Erhöhung von Ornithin und Verminderung eines anderen Eiweißbaustein (Aminosäure) Lysin. Im Urin lässt sich dann das ungewöhnliche Homocitrullin nachweisen.
Die Veränderungen der Aminosäuren bei gleichzeitiger Erhöhung von Ammoniak im Blut sind die typischen Merkmale des HHH-Syndroms
Genetische Untersuchungen können letztlich den Verdacht auf das Vorliegen eines HHH-Syndroms bestätigen.

Behandlung

Bei Neugeborenen steht die Bekämpfung der Ammoniakerhöhung im Blut (Hyperammonämie) im Rahmen einer intensivmedizinischen Behandlung im Vordergrund, die durch Spezialisten in einem Stoffwechselzentrum durchgeführt werden sollte (wie bei anderen lebensbedrohlichen Harnstoffzyklusdefekten).
Darüber hinaus gibt es keine einheitlichen Therapieempfehlungen für die Langzeitbehandlung des HHH-Syndroms. Unbestritten sind medikamentösen und diätetischen Maßnahmen zur Vermeidung der übermäßigen Bildung bzw. Beseitigung von Ammoniak.
Empfehlungen für die Gabe von Medikamenten zur Senkung der Ammoniak- und/oder Ornithinkonzentration im Blut, der Ausscheidung von Homocitrullin, Erhöhung der Lysin-Plasmaspiegel liegen vor, sind aber nicht allgemein gültig:
zur Senkung bzw. Vermeidung des Anstiegs der Ammoniakspiegel nach dem Essen  durch Verabreichung des Medikamentes Argininhydrochlorid (im Erwachsenenalter bis zu 6 g /Tag).
Zum Ausgleich der veränderten Blutkonzentrationen einige Eiweißbausteine die Gabe von Citrullin (2 mmol/kg KG Tag = 350 mg/kg KG Tag) und eventuell von Lysin (bis zu 1 g Lysinhydrochlorid/Tag).

Die diätetische Behandlung besteht in einer Einschränkung des Eiweißverzehrs zur Senkung des Ammoniakspiegels bis in den Normbereich. Liegt die Eiweißzufuhr dann deutlich unter dem empfohlenen altersgerechten Minimum, muss der Bedarf an lebenswichtigen Eiweißbausteinen (essentiellen Aminosäuren) durch Zufuhr eines Gemisches aus lebenswichtigen Eiweißbausteinen (essentiellen Aminosäuren)  gedeckt werden.
Die sehr starke Reduktion der Zufuhr an natürlichem Eiweiß bedeutet für die Betroffenen einen Verzicht auf besonders eiweißreiche Nahrungsmittel, wie
Milch
Milchprodukte (Quark, Käse, Joghurt, Schokolade)
Fleisch, Wurst
Fisch, Meeresfrüchte
Eier
Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen)
Mais
Nüsse
Cornflakes
Gries
Normales Brot, Kekse
Lakritze
Entsprechend der berechneten Eiweißmenge, können gegessen werden:
Obst
Gemüse
Kartoffeln und Kartoffelprodukte
Reis
Sahne
eiweißarme Nudeln
eiweißarmes Brot, Brötchen, Kuchen, Waffeln
eiweißarme Milch
Obstsäfte (bei größeren Mengen)
Apfelmus
Nach Bedarf können (ohne Berücksichtigen ev. vorhandener Eiweißrestmengen):
Wasser, Limonade, Kaffee, Tee
verdünnter Fruchtsirup
KABA fit Banane/Vanille; Erdbeer/Himbeer
Margarine, Öl, Butter
Zucker, Zuckerwatte, Traubenzucker
Süßigkeiten ohne Gelatine
Kaugummi
Wassereis
Honig
Marmelade, Konfitüre
Instant-Götterspeise

Bei den Formen der Erkrankung ohne schwerwiegende Ammoniakvermehrungen genügt meist eine Eiweißreduktion unter zusätzlicher Gabe von Argininhydrochlorid oder Citrullin und/oder eventuell auch von Lysin.

Aussichten für die Zukunft

Die Lebensaussichten der Patienten mit HHH-Syndrom sind abhängig von der Form der Störung. Die schlechtesten Aussichten haben die Betroffenen, die schon im Neugeborenenalter Beschwerden bekommen. Bei den milderen Formen ist die Zukunft günstig, wenn die Behandlung konsequent durchgeführt wird und keine Stoffwechselkrisen mit Ammoniakvermehrungen auftreten. Insgesamt sind bisher nur wenige Krankheitsverläufe beschrieben, sodass sich die Aussagen zur den Zukunftsaussichten auf Erfahrungen mit  nur einzelnen Fällen beruhen.

Die Bereitstellung des Textmaterials erfolgt durch freundliche Überlassung der SHS-Gesellschaft. Ergänzende Informationen finden Sie unter www.stoffwechselgutleben.de.

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