Bei dem nicht geschlechtbezogen (autosomal)  und rezessiv (d.h. das gesunde Erbmerkmal überdeckt das kranke) vererbten Mangel des Enzyms  3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-CoA Lyase handelt es sich um die Störung im letzten Schritt des Abbaus der verzweigtkettigen, lebenswichtigen (essentiellen) Aminosäure (Eiweißbaustein) Leucin.

Anzeichen (Symptome) der Erkrankung (vor Behandlungsbeginn bzw. ohne Behandlung)

Die in den so genannten Mitochondrien gelegene  3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-CoA Lyase (Mitochondrien sind besonders energiestoffwechselintensive Bestandteile aller Zellen mit Ausnahme der roten Blutkörperchen) baut 3-Hydroxy-3-Methylglutarsäure zu Azetessigsäure (Acetoacetat) und aktivierte Essigsäure (Acetyl-CoA) ab.
Auffällig wird die Erkrankung meist schon im Neugeborenenalter. Neben der charakteristischer hypoketotische Hypoglycämie [Unterzuckerung ohne Vermehrung der aus dem Fettstoffwechsel stammenden Substanzen (Ketone)] treten Übersäuerung des Blutes (Acidose) und Vermehrung von Ammoniak (einer Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff, die in höheren Konzentrationen giftig ist)(Hyperammonämie als Folge der  Hemmung der N-Acetylglutamatsynthetase), Erbrechen, manchmal auch Durchfall auf. Ihnen können Bewußseinseintrübung, Krampfanfälle und Bewußtseinverlust (Coma), schnelle Atmung (Tachypnoe) und Blausucht (Cyanose), Vergrößerung des Herzens (Cardiomyopathie), Vergrößerung der Leber (Hepatomegalie) und Erhöhung der so genannten Leber-Enzyme (Transaminasen) im Blut folgen. Gelegentlich weist der Urin einen Katzengeruch auf.

Wie wird die Krankheit festgestellt?

Die angeborene Krankheit 3-Hydroxy-3-Methylglutaconacidurie ist durch spezielle Labortechniken (Tandem-Masssenspektrometrische Analyse der  Blutbestandteile und die Gaschromatographisch-Massenspektrometrische Bestimmung der organischen Säuren im Urin) zuverlässig feststellbar. Im Blut sind viele Kopplungsprodukte organischer Säuren an das kleine Transporteiweiß Carnitin nachzuweisen (Carnitinester):  Hydroxyisovalerycarnitin (C5OH), Hexenoylcarnitin (C6:1) und Methylglutarylcarnitin (C6DC), freies Carnitin (C0) ist niedrig. Im Urin sind 3-Hydroxy-3-Methylglutarsäure, 3-Methylglutaconsäure, 3-Methylglutarsäure, 3-Hydroxyisovaleriansäure und 3-Methylcrotonylglycin vermehrt.
Die Aktivität des Enzyms   3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-CoA Lyase lässt sich in weißen Blutzellen (Leukocyten), in Hautzellen (Fibroblasten) und in den Blutplättchen (Thrombocyten) messen.

Behandlung

Da bei der 3-Hydroxy-3-Methylglutaracidurie die Bildung der Ketonkörper (Abbauprodukt des Fette und einiger Eiweißbausteine), die so genannte  Ketogenese, gestört ist, sollte bei dieser Erkrankung (im Unterschied zu den anderen Stoffwechselstörungen im Abbau der lebenswichtigen Aminosäure [Eiweißbaustein] Leucin) die Fettzufuhr nicht in der üblichen Menge erfolgen, sondern höchstens 25% der Gesamtkalorien ausmachen (2 g Fett/kg KG Tag, das entspricht etwa 20 – 25% der Kalorienzufuhr)!
Die Behandlung besteht demnach in einer Kombination von Eiweiß- und Fett-reduzierter Diät und einer zusätzlichen Gabe von L-Carnitin  (100 mg/kg KG Tag). Carnitin, ein kleines Transporteiweiß, bildet mit den überschüssigen Säuren Verbindungen, die dann mit dem Urin ausgeschieden werden.
Für die diätetische Behandlung in Bezug auf den Eiweißbaustein (Aminosäure) Leucin reicht meist die Verringerung der Aufnahme von natürlichem Eiweiß aus, um zumindest einen Teil der Krankheitszeuchen zu vermeiden. Auf die Gabe eines leucinfreien Aminosäurengemisches kann deshalb in der Regel verzichtet werden.
Die Eiweiß-reduzierte Ernährung in Kombination mit einer Fettreduktion ist verbunden mit einem Verzicht auf eiweißreiche Lebensmittel sowie einer Kontrolle bzw. Begrenzung der Fettzufuhr bei gleichzeitiger Erhöhung des Kohlenhydratanteils der Nahrung.

Zu den besonders eiweißreichen und z.T. fettreichen Lebensmitteln zählen:
Milch (Eiweiß und Fett)
Milchprodukte (Quark, Käse, Joghurt, Schokolade) (Eiweiß und Fett)
Fleisch, Wurst (Eiweiß und Fett)
Fisch, Meeresfrüchte (Eiweiß und Fett)
Eier
Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen)
Mais
Nüsse, Mandeln (Eiweiß und Fett)
Cornflakes
Gries
Normales Brot, Kekse (Eiweiß und Fett)
Gelatinehaltige Süßigkeiten
Entsprechend der berechneten Leucinmenge können gegessen werden:
Obst
Gemüse
Kartoffeln und Kartoffelprodukte (bei Kartoffelchips auch Fett!)
Reis
eiweißarme Nudeln
eiweißarmes Brot, Brötchen, Kuchen, Waffeln
eiweißarme Milch (fettarm)
Obstsäfte (bei größeren Mengen)
Apfelmus
Nach Bedarf können (ohne Berücksichtigen ev. vorhandener geringer Leucinmengen):
Wasser, Limonade, Kaffee, Tee
verdünnter Fruchtsirup
KABA fit Banane/Vanille; Erdbeere/Himbeere
Zucker, Zuckerwatte, Traubenzucker
Süßigkeiten ohne Gelatine
Kaugummi
Wassereis
Honig
Marmelade, Konfitüre
Instant-Götterspeise
Einer gesonderten Berechnung bedürfen die Zufuhr (2 g Fett/kg KG Tagmaximal) von:
Sahne
Margarine
Öl
Butter

Die Gabe von L-Carnitin als Medikament und die Diät müssen lebenslang durchgeführt werden!

Aussichten für die Zukunft

Bei frühzeitiger Erkennung der Krankheit und Gabe ausreichender Mengen an L-Carnitin sowie Einhaltung der Diätanweisungen (ohne schwere Stoffwechselentgleisungen) sind die Aussichten der Patienten für die Zukunft in der Regel günstig.

Die Bereitstellung des Textmaterials erfolgt durch freundliche Überlassung der SHS-Gesellschaft. Ergänzende Informationen finden Sie unter www.stoffwechselgutleben.de.

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