Der MCAD-Defekt gehört zu der Gruppen von angeborene, nicht geschlechtsbezogen (autosomal) und rezessiv (d.h. das gesunde Erbmerkmal überdeckt das kranke) vererbten Störungen im Abbau der Fettsäuren (mitochondrialen ß-Oxidation). Durch den Defekt kommt es zu einem eingeschränkten Abbau der Fettsäuren mit mittellanger Kohlenstoffkette (6 – 12 Kohlenstoffatome), was in Körpersubstanzen abbauender Stoffwechsellage (Katabolie, z.B. bei Stoffwechselstress, bei Hunger, Erbrechen, Durchfall, Fieber) zu Energiemangelzuständen führt, die das Krankheitsbild prägen. In solchen Zuständen findet man große Mengen so genannten mittelkettiger Fettsäuren und deren Kopplungsprodukte an das kleine Transporteiweiß Carnitin (Carnitinester) im Blut und im Urin.
Im Rahmen des erweiterten Neugeborenenscreenings wird in Deutschland seit dem Jahr 2002 bei allen Neugeborenen mittels spezieller Labortechnik (Tandem-Massenspektrometrie) aus getrocknetem Blut auf das Vorliegen eines MCAD-Defektes untersucht. Die Häufigkeit liegt bei etwa 1: 10.000.

Anzeichen (Symptome) der Erkrankung (vor Behandlungsbeginn bzw. ohne Behandlung)

Klinische Symptome treten bei Patienten mit MCAD-Defekt in Situationen mit Stoffwechselstress z.B. durch Fieber bei Infektionen (erhöhter Energiebedarf), Erbrechen, Durchfall (mangelnde Kohlenhydratzufuhr) bzw. zu lange Fastenpausen (länger als 6-10 Stunden). Sie äußern sich in Unterzuckerungen (Hypoglykämien),  Hypoketonämie/urie (keine vermehrte Bildung der Endsubstanzen des Fettsäurenabbaus, von Ketonkörpern) (zusammen: hypoketotischen Hypoglykämien!), gelegentlich mit Hyperammonämie (Vermehrung von Ammoniak im Blut), Muskelschlaffheit, Hirnödem, Bewußtseinsverlust, Coma, Krampfanfällen und schließlich als Herzstillstand. Vor Einführung des erweiterten Neugeborenenscreenings mittels Tandem-Massenspektrometrie sind bis zu ¼ der Betroffenen verstorben (nicht selten mit der Diagnose “Sudden Infant Death Syndroms (SIDS; Plötzlicher Kindstod) oder Reye-Syndrom).
In ausgeglichener Stoffwechsellage (Interwall) sind die Patienten ohne Beschwerden. Treten Unterzuckerungen (Hypoglykämien) häufiger aber weniger dramatisch auf, resultieren Lebervergrößerung (Hepatomegalie), Verlangsamung der körperlichen Entwicklung, Hirnschäden und/oder Krampfleiden.
Ein nicht geringer Teil der Personen mit MCAD-Defekt bleiben aber lebenslang ohne jegliche  Krankheitszeichen.

Wie wird die Krankheit festgestellt?

Bei den Untersuchungen im Rahmen des erweiterten Neugeborenenscreenings (mittels Tandem-Massenspektrometrie aus Trockenblut) findet man die Fettsäuren mit 6 bis 12 Kohlenstoffatomen vermehrt [Hexanoat (C6) ,  Octanoat (C8) und (C10)] sowie deren Kopplunsprodukte an Carnitin [Hexanoylcarnitin (C6), Octanoylcarnitin (C10), Decanoylcarnitin (C12) und Decenoylcarnitin (C10:1)]. Das kleine Transporteiweiß Carnitin ist im Blut nicht in jedem Fall erniedrigt. Im Urin sind vor allem in Situationen von Stoffwechselstress zusätzlich typische organische Substanzen mit 2 Säureresten mit spezieller Labortechnik  (Gaschromatographie-Massenspektrometrie) nachweisbar (Adipinsäure, Suberinsäure, Sebacinsäure, Suberylglycin, 5-OH-Hexanoat und 7-OH-Octanoat).
Überträger der Krankheit (Heterozygote) können mittels einer genetischen Analyse erfasst werden. In Mitteleuropa haben über 90% der MCAD-Patienten eine spezielle Mutation (G985A).

Behandlung

Das vordringliche Behandlungsziel bei einem akuten Geschehen ist die Normalisierung der Blutzuckerkonzentration. Dieses ist durch die Infusion von Traubenzucker (Glukose) zu erreichen!
Bei akuten Krisen muss die abbauende, zehrende Stoffwechselsituation, verdeutlicht durch Unterzuckerung (Hypoglykämie), sofort mittels einer Traubenzuckerinfusion beendet werden. (z.B. durch intravenöse 10 – 20%ige Glukoselösung mit Elektrolyten, 10 – 12 g Glucose /kg KG und Tag). In besonders schweren Fällen kann eine höhere Dosierung und zusätzliche Gabe von Insulin notwendig werden. Die Zufuhr von ausschließlich Traubenzucker (Glukose) bzw. Kohlenhydraten (ohne Eiweiß bzw. Aminosäuren und ohne Fette) darf aber nicht länger als 48 Stunden dauern.

Bei fieberhaften Infekten, Grippe oder als Vorbereitung für Operationen sollte frühzeitig mehr Energie in Form von Kohlenhydraten zum Essen gegeben werden (z.B. Maltodextrin: Säuglinge mindestens 15 g/kg KG pro Tag, Kinder 300 g/Tag ).
Der Energiebedarf bei Temperaturerhöhung um 1 °C erhöht sich um etwa 10%!

Im Rahmen einer Langzeitbetreuung muss vor allem darauf geachtet werden, dass die Patienten Hungerzustände vermeiden, d.h. nicht länger als 8 Stunden ohne Nahrung bleiben (im Säuglingsalter nicht länger als 4 – 6 Stunden). Bei der Zusammenstellung der Nahrung sollte der Fettanteil etwas reduziert [unter Berücksichtigung ausreichender Mengen der lebenswichtigen (essentiellen) Fettsäuren] und als Ausgleich derjenige der Kohlenhydrate erhöht werden. Eine zusätzliche Verschreibung von L-Carnitin als Medikament ist zu empfehlen (z.B. 50 mg/kg KG Tag).

Aussichten für die Zukunft

Ohne Behandlung stellt der MCAD-Defekt eine in Stoffwechselkrisen lebensbedrohliche Erkrankung dar. Bei Vermeidung von Fasten- und Hungerzeiten, sowie von sonstigen Situationen mit Energiemangel, sind die Patienten mit MCAD-Defekt in jeder Hinsicht, auch in Bezug auf die körperliche Leistungsfähigkeit, Gesunden gleichzusetzen.
Eine spezielle Diät unter Reduktion der Fett- und gleichzeitiger Erhöhung der Kohlenhydrat-Zufuhr ist nicht in jedem Fall erforderlich.

Die Bereitstellung des Textmaterials erfolgt durch freundliche Überlassung der SHS-Gesellschaft. Ergänzende Informationen finden Sie unter www.stoffwechselgutleben.de.

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